Samstag, 6. Juli 2013

Die Reise in das Herz der Finsternis - Teil zwei

Kurz vor der Abfahrt

Teil eins

Heute morgen habe ich die letzten Vorräte eingekauft. Dauerkekse und Getränke, man soll in manchen Gegenden ja vorsichtig sein mit dem Leitungswasser. Die Tatsache, dass auch google nicht viele Ergebnisse zu "Seuche Lüneburger Heide" liefert, beruhigt mich nur unwesentlich. Zum Abschluss derEinkaufstour habe ich mir ein Matjes-Brötchen gegönnt, um meinen Magen langsam die fremden Speisen zu gewöhnen. Das es in deutschen Supermärkten keine Moskito-Netze gibt, das halte ich für ein deutliches Manko. Hier sollten die Krankenkassen Aufklärungsarbeit leisten. Lambarènè liegt doch in der Nähe von Lüneburg, oder nicht?
Ach ja, angeblich hängt der Norddeutsche ja an jeden zweiten Satz ein "nich?" dran.Ich vertraue aber auf die Versicherung meiner Mutter, dass man sich in dieser Gegend auch mit Händen und Füßen und ohne Dolmetscher verständlich machen kann.
Im Gepäck befindet sich Joseph Conrad, damit ich weiß, was uns im Herz der Finsternis erwartet, Philippe Djian 37,2° le matin, damit ich weiß, was uns auf einem Campingplatz erwartet und Heinrich Heines Harzreise, damit ich mich an die Heimat erinnern kann.


Freitag, 5. Juli 2013

Die Reise in das Herz der Finsternis - Teil eins

Seit einigen Jahren gibt es immer mehr schlaue Bücher, die auflisten was man getan haben sollten, was man gelesen haben sollte und wo man gewesen sein muss. Nur wenn alle das tun, all das lesen und alle dorthin waren, wo bleibt dann die doch so gepriesene Individualität?
Deshalb musste die Frage "Wo fahren wir dieses Jahr hin?" radikal beantwortet werden: In das Herz der Finsternis, in die Lüneburger Heide. Dorthin, wo die Landschaft "Tal der kleinen Örtze" heißt und gleich nebenan Hans Deppe und Sonja Ziemann gedreht haben. Tal der kleinen Örtze, Bornriether Moor, das klingt doch alles ein wenig nach Okavangodelta.
Als wäre dies nicht schlimm genug, gibt doch noch eine Steigerung. Wir richten unser Basislager inmitten der schwierigsten Sorte Mensch ein, wir gehen unter die Dauercamper.
Vor einer Expedition sollten die Vorräte
deutlich aufgestockt werden. Fotos: tok
Als ich meiner Mutter diese Urlaubspläne beichtete, erklärt sie mich für verrückt und berichtete mir von ihrer Erfahrungen mit dem Land der Schnucken und der Erika. Völlig abgemagert sei sie damals zurückgekehrt und nie wieder wolle sie einen Fuß setzen in die Ödnis zwischen Celle, Soltau und Lüneburg. Auch die Verständigung hätte damals nicht so recht geklappt.
Manchmal muss man mütterlichen Rat missachten. Also begannen die Vorbereitungen am Donnerstag, zwei Tage vor der Abfahrt. Meine Frau besorgte Nahrung, lauter haltbare Sachen, die man auf einem kargen Zweiflammen-Kocher in einem Wohnwagen zubereiten kann. Nudeln, Eintopf und Ravioli.
Am Freitagmittag begab ich mich auf die Jagd nach frischer Ware, die man gefahrlos zweieinhalb Stunden im Auto transportieren kann: Äpfel, Bananen und anders Obst. Nach dem Urteil meiner Mutter ist die Versorgung mit Vitaminen in der kargen Geest-Landschaft nicht unbedingt sichergesellt.
Als ich der Verkäuferin von unserer Zielsetzung erzählt, schaut sie mich mit einigen Befremden an und überbrückte dann die Sprachlosigkeit mit einem schaalen Witz.

Ein stummes "Ach, hör nicht drauf" war meine Antwort. Dann setzte ich mich auf's Fahrrad, um noch ein letztes Mal die Schönheit der heimischen Berge zu erkunden.

Die Lüneburger Heide bei wikipedia.

Ein kleine Filmgeschichte und ein kurzer Song.

Mittwoch, 3. Juli 2013

Ein Stuhl mit Charakter

Bericht über einen tischlerischen Selbstversuch

Kurz nachdem ich die "Hartz-IV_Möbel" kennenlernte, reifte der Entschluss: Den Kreuzberg 36 Stuhl, den baue ich nach. Irgendwie ist immer awas dazwischen gekommen, andere Projekte, fehlende Baupläne und die Sintflut. Doch am letzten Wochenende habe ich den Vorsatz zur Tat umgewandelt. Nun ist er fertig, der Kreuzberg 36.
Achso. Warum Kreuzberg 36? Nach Angaben von Le van Bo kostet die Erstellung 36,- Euro, dauert 36 Stunden und erinnert an den einst bunten Stadtteil Berlin 36 SO.

Thomas im Meister-Eder-Dress.
Fotos: tok

Sonnabend, 29. Juni:

Das Holz ist gekauft und zwar gleich für zwei Exemplare,etwas mehr als 40,- Euro im Baumarkt Discount. Zwei Bretter Fichte 80 cm mal 40cm, 18 mm Stärke, 20 cm Rundstab 20 mm Durchmesser, zwei Riffelstäbe 8 mm Durchmesser, wird später als Holzdübel gebraucht. Was ich nicht gefunden habe, war der Holzbohrer 8 mm 150mm Länge, mit dem die extra langen Dübellöcher gebohrt werden sollten, dazu später mehr (s.Montag).  Am Abend noch die Aufmaßung gemacht, das soll reichen, diesmal habe ich die Schnittbreite miteingerechnet. Morgen ist auch noch ein Tag

Sonntag, 30. Juni:

Wer solch einen Stuhl schaffen will, der darf auch am siebten Tage nicht ruhen. Manchmal ist es von Vorteil, wenn die Anzahl der Nachbarn überschaubar ist. Außerdem bleibt bei dem Wetter das Tor geschlossen. Der Vormittag geht für das Sägen drauf. Zuerst schneide ich das Sperrholz zu, um es in drei Lagen zu verleimen. Darauswerden Sitzfläche undRückenlehne. Das Projekt ist überhaupt sehr leimintensiv. Die Schraubzwinge ist mein bester Freund. Dabei schwöre ich doch auf die verbindende Wirkung der heiligen Spax.
Das werden am Schluss zwei Stühle sein.
Auf 80 cm Länge sauber mit der Stichsäge zu sägen, das ist schon eine Herausforderung. Andererseits muss ich das Genie von Meister van Bo anerkennen. Aus einem Standaradbrett 80 mal 40 ohne Ausschuss einen Stuhl bauen, Respekt.
Am Nachmittag ist eine Stunde Präzisionsarbeit gefragt und Handarbeit. Mit der Gehrungssäge werden die Querteile angeschrägt, schließlich soll der Kreuzberg 36 eben nicht schnurgerade stehen. Leider ist der Bauplan an dieser Stelle nicht ganz einleuchtend. Als ich mich daran gewöhnt habe, dass es doch den einen oder anderen Zentimeter Ausschuss gibt, geht es voran. Aber nurbis alles gesägt, denn morgen ist auch noch ein Tag.
Weil die Rückenlehne eine dynamische Kehlung
haben soll, wird sie unter Druck verleimt.

Montag, 1. Juli:

Wer solch einen Stuhl schaffen will, der darf nicht zu lange ruhen. Frisch, Gesellen, ans Werk. Wie bereits gesagt, ich habe keinen Holzbohrer 8 mm stark und 150 mm lang, deswegen konnte ich auch keine extra tiefen Löcher durch Teil A und B gleichzeitig bohren. Auch durch D in B hinein ist nicht so einfach. Vor allem halte ich 8 mm Löcher in 18 mm starkes Leimholz für grenzwertig, 6 mm tun es auch.
Aber ich wäre nicht der Erbe von Meister Eder, wenn ich diese Klippe nicht auch umschifft hätte. Natürlich habe ich kein Schraubzwingen mit einer Spannweite von 60 cm. Aber wozu gibt es denn Spanngurte?
Spanngurte ersetzen Schraubzwingen.
Nachdem die Seitenteile abgeleimtwaren, mussten sie mit den angeschrägten C-Teilen verdübelt werden. Wie gesagt, mit einem 8 mm-Bohrer in ein 18 mm starkes Holz ist grenzwertig. Ich setze lieber auf die verbinde Kraft der heiligen Spax. Vom 20 mm-Rundstab müssen dann 4 Stücke in 25 mm Länge gesägt werden und ein Holzdübel wird drin versenkt und verleimt.
Nach dem das ganze Geleime abgebunden hat, musste ich phi mal Daumen rechts und links jeweils zwei Dübellöcher für die Sitzflächenhalter Böbbels bohren. Übrigens 6er Holzdübel tun es auch. Leider läßt die Vorlage beim Zuschnitt der Sitzfläche einiges am Interpretationsspielraum.
Die Böbbels mussten phi mal
Daumen versenkt werden.
Aber gut, der Montag endete damit, dass ich die Sitzfläche mit den Böbbels verleimt und verschraubzwingt. Den erhebenden Moment des Platz nehmens wollte ich für den nächsten Morgen aufsparen.

Dienstag, 2. Juli:

Wer solch einen Stuhl schaffen will, der darf sich auch mal Zeit lassen. Am Dienstagmorgen befreie ich das Holz von Zurrgurten und Schraubzwingen: Kreuzberg 36 ist fertig, zumindestens die erste Ausgabe. Tammo darf die erste Sitzprobe machen. Dann taucht die Frage auf: Wo soll er künftig stehen? Küche oder Wintergarten? Diese Frage werden wir in den kommenden Tagen beantwortet. Wie auch die Frage: In welcher Farbe soll er den lackiert werden? Feuerwehrrot oder Nussbaum oder einfach wachsen? Für Anregungen bin ich dankbar. Einfach in die Kommentarbox schreiben. Vielen Dank.
Fertig!


Dienstag, 13. November 2012

Der Harzer: Das bemerkenswerte Gespräch KW 45

Der Harzer: Das bemerkenswerte Gespräch KW 45: Eigentlich war mir am Mittwochmorgen schon klar, welches Gespräch in dieser Woche ganz oben auf der Liste stehen würde. Es rief mich der ...

Das bemerkenswerte Gespräch KW 45

Eigentlich war mir am Mittwochmorgen schon klar, welches Gespräch in dieser Woche ganz oben auf der Liste stehen würde. Es rief mich der ehrenamtliche Bürgermeister einer Bergstadt an und es ging um die Verwicklungen  bei der Stadtentwicklung und der Gefahr, durch Nichtentscheidung 4,6 Millionen Euro Fördermittel zu verlieren. Schon im zweiten Satz machte er deutlich, dass alle, die der Argumentation des hauptamtlichen Samtgemeindebürgermeister folgen, doch nur unwissend und halbinformiert sind. Außerdem hzabe er eseilig und besseres zu tun, als mit der Echo-Redaktion zu sprechen. Weil auf dieser Grundlage kein erfolgreiches Gespräch entstehen konnte, endete unsere Unterhaltung nach 10 Minuten und zahllosen Wiederholungen, dass auch die Landesbehörde für Straßenbau ahnungslos sei, mit der Versicherung, demnächst mal wieder zu diesem Thema zu telefonieren.

Einen ähnlich guten Einstieg hatte ich am Donnerstagmorgen. Es rief der Direktor einer kommunalen Bildungsvereinigung an und fragte mich, wie ich dazu käme,ihm per E-Mail Fragen zuzusenden, von wem ich denn die Informationen hätte und wo drauf ich hinaus wolle. Mein erster Gedanke: Dieses Gespräch ist gleich wieder zu Ende.  Als das Telefonat dann 58 Minuten später zu Ende war und wir ein Treffen vereinbart, dachte ich mir: War doch ganz nett. Also, der erste Eindruck entscheidet nicht immer.

Montag, 5. November 2012

Das bemerkenswerte Gespräch KW 44

Das bemerkenswerteste Gespräch hatte ich in der letzten Woche mit Klaus Matwijow. Es ging um Quimburga, dem großen Orkan von 1972. Der Sturm hat in Niedersachsen 4.800 Hektar Wald komplett zerstört und 100.000 Hektar beschädigt. Allein in Niedersachsen starben damals 22 Menschen, davon starben aber 16 Menschen erst bei den Aufräumarbeiten in den Forsten, darunter ein jugoslawischer Waldarbeiter und Siegfried Lätsch. Der Lehrling aus Lonau wurde von nachrutschenden Bäumen begraben.
Jedenfalls war dem Nachrichtenprofi Klaus Matwijow deutlich anzumekren, dass ihn diese Geschichte auch 40 Jahre danach immer noch nicht ruhen lässt. Armer Klaus.

Sonntag, 23. September 2012

Bemerkenswertes Gespräch KW 38

Das bemerkenswerteste Gespräch hatte ich in dieser Woche mit dem Mitarbeiter einer bundesweite aktivenUmweltschutzorganisation.Das Thema des Gesprächs war  deren Klage gegen den Ausbau der Liftanlagen am Wurmberg. Mein Gesprächspartner entpuppte sich als Fachmann, denn er hatte ja in Hannover  Tourismus studiert und er bereist die Alpen regelmäßig.
So weit so gut, doch als wir in's Detail gingen, musste er zugeben "Nein, im Harz kenne ich mich nicht so genau aus". Gut, also versuche ich es mit einer anderen Sachfrage, Antwort "Nein, im Harz kenne ich mich nicht so genau aus", nächstes Thema "Nein, im ...". Gut, er wusste dann, dass der Wurmberg schon seit 2007 nicht mehr zum Nationalpark gehört und die Größe des Baugebiets konnte er auch benennen, aber den Umfang der Ausgleichsmaßnahmen, den konnte er nicht nennen. Ganz zu schweigen von den Planungen in Schierke, aber gut, dass ist ja auch Sachsen-Anhalt
Sein Fazit war jedenfalls: Wintersport im Harz lohnt nicht, weil der Wurmberg sowieso keine sportliche Herausforderung darstellt, dafür reichten seine Ortskenntnisse aus, ach ja, die Niederländer die fahren sowieso gleich in die Alpen durch, die kennt er nämlich genau