Mittwoch, 3. Juli 2013

Ein Stuhl mit Charakter

Bericht über einen tischlerischen Selbstversuch

Kurz nachdem ich die "Hartz-IV_Möbel" kennenlernte, reifte der Entschluss: Den Kreuzberg 36 Stuhl, den baue ich nach. Irgendwie ist immer awas dazwischen gekommen, andere Projekte, fehlende Baupläne und die Sintflut. Doch am letzten Wochenende habe ich den Vorsatz zur Tat umgewandelt. Nun ist er fertig, der Kreuzberg 36.
Achso. Warum Kreuzberg 36? Nach Angaben von Le van Bo kostet die Erstellung 36,- Euro, dauert 36 Stunden und erinnert an den einst bunten Stadtteil Berlin 36 SO.

Thomas im Meister-Eder-Dress.
Fotos: tok

Sonnabend, 29. Juni:

Das Holz ist gekauft und zwar gleich für zwei Exemplare,etwas mehr als 40,- Euro im Baumarkt Discount. Zwei Bretter Fichte 80 cm mal 40cm, 18 mm Stärke, 20 cm Rundstab 20 mm Durchmesser, zwei Riffelstäbe 8 mm Durchmesser, wird später als Holzdübel gebraucht. Was ich nicht gefunden habe, war der Holzbohrer 8 mm 150mm Länge, mit dem die extra langen Dübellöcher gebohrt werden sollten, dazu später mehr (s.Montag).  Am Abend noch die Aufmaßung gemacht, das soll reichen, diesmal habe ich die Schnittbreite miteingerechnet. Morgen ist auch noch ein Tag

Sonntag, 30. Juni:

Wer solch einen Stuhl schaffen will, der darf auch am siebten Tage nicht ruhen. Manchmal ist es von Vorteil, wenn die Anzahl der Nachbarn überschaubar ist. Außerdem bleibt bei dem Wetter das Tor geschlossen. Der Vormittag geht für das Sägen drauf. Zuerst schneide ich das Sperrholz zu, um es in drei Lagen zu verleimen. Darauswerden Sitzfläche undRückenlehne. Das Projekt ist überhaupt sehr leimintensiv. Die Schraubzwinge ist mein bester Freund. Dabei schwöre ich doch auf die verbindende Wirkung der heiligen Spax.
Das werden am Schluss zwei Stühle sein.
Auf 80 cm Länge sauber mit der Stichsäge zu sägen, das ist schon eine Herausforderung. Andererseits muss ich das Genie von Meister van Bo anerkennen. Aus einem Standaradbrett 80 mal 40 ohne Ausschuss einen Stuhl bauen, Respekt.
Am Nachmittag ist eine Stunde Präzisionsarbeit gefragt und Handarbeit. Mit der Gehrungssäge werden die Querteile angeschrägt, schließlich soll der Kreuzberg 36 eben nicht schnurgerade stehen. Leider ist der Bauplan an dieser Stelle nicht ganz einleuchtend. Als ich mich daran gewöhnt habe, dass es doch den einen oder anderen Zentimeter Ausschuss gibt, geht es voran. Aber nurbis alles gesägt, denn morgen ist auch noch ein Tag.
Weil die Rückenlehne eine dynamische Kehlung
haben soll, wird sie unter Druck verleimt.

Montag, 1. Juli:

Wer solch einen Stuhl schaffen will, der darf nicht zu lange ruhen. Frisch, Gesellen, ans Werk. Wie bereits gesagt, ich habe keinen Holzbohrer 8 mm stark und 150 mm lang, deswegen konnte ich auch keine extra tiefen Löcher durch Teil A und B gleichzeitig bohren. Auch durch D in B hinein ist nicht so einfach. Vor allem halte ich 8 mm Löcher in 18 mm starkes Leimholz für grenzwertig, 6 mm tun es auch.
Aber ich wäre nicht der Erbe von Meister Eder, wenn ich diese Klippe nicht auch umschifft hätte. Natürlich habe ich kein Schraubzwingen mit einer Spannweite von 60 cm. Aber wozu gibt es denn Spanngurte?
Spanngurte ersetzen Schraubzwingen.
Nachdem die Seitenteile abgeleimtwaren, mussten sie mit den angeschrägten C-Teilen verdübelt werden. Wie gesagt, mit einem 8 mm-Bohrer in ein 18 mm starkes Holz ist grenzwertig. Ich setze lieber auf die verbinde Kraft der heiligen Spax. Vom 20 mm-Rundstab müssen dann 4 Stücke in 25 mm Länge gesägt werden und ein Holzdübel wird drin versenkt und verleimt.
Nach dem das ganze Geleime abgebunden hat, musste ich phi mal Daumen rechts und links jeweils zwei Dübellöcher für die Sitzflächenhalter Böbbels bohren. Übrigens 6er Holzdübel tun es auch. Leider läßt die Vorlage beim Zuschnitt der Sitzfläche einiges am Interpretationsspielraum.
Die Böbbels mussten phi mal
Daumen versenkt werden.
Aber gut, der Montag endete damit, dass ich die Sitzfläche mit den Böbbels verleimt und verschraubzwingt. Den erhebenden Moment des Platz nehmens wollte ich für den nächsten Morgen aufsparen.

Dienstag, 2. Juli:

Wer solch einen Stuhl schaffen will, der darf sich auch mal Zeit lassen. Am Dienstagmorgen befreie ich das Holz von Zurrgurten und Schraubzwingen: Kreuzberg 36 ist fertig, zumindestens die erste Ausgabe. Tammo darf die erste Sitzprobe machen. Dann taucht die Frage auf: Wo soll er künftig stehen? Küche oder Wintergarten? Diese Frage werden wir in den kommenden Tagen beantwortet. Wie auch die Frage: In welcher Farbe soll er den lackiert werden? Feuerwehrrot oder Nussbaum oder einfach wachsen? Für Anregungen bin ich dankbar. Einfach in die Kommentarbox schreiben. Vielen Dank.
Fertig!


3 Kommentare:

  1. Hallo Thomas!
    Schön, dass Du sonst auf SPAX setzt! ;-)

    Was hast Du mit SPAX bisher so gebaut? Zeig's uns auch gern auf unserer Facebookseite (www.facebook.com/SPAX).

    Viele Grüße aus Ennepetal
    von Deinem SPAX-Team

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    1. Mit Spax habe ich schon hunderte von Dingen gebaut, von kleinen Spielzeugkisten bis hin zu Regalsystem und Raumteilern. Ich werde mal ein paar Beispiele bei FB hochladen.
      Vielen Dank für die Einladung

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    2. Da sind wir aber gespannt und freuen uns schon sehr, mehr über Deine Projekte zu erfahren, Thomas!
      Viele Grüße,
      Dein SPAX-Team

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